Geschichten über die Göttin
Freya
Die Schneekönigin
Ariadne
Cerridwen
Inanna
Freya
Meine "Lieblingsgöttin" ist Freya. Ich forsche über sie und erzähle ihre Geschichte.
Hier zunächst einmal paar Fundsachen über Freya, die ich für den Anfang zusammengetragen habe:
Freya ist die Große Göttin Nordeuropas.
Sie ist älter als die Wikingergötter, also als Odin und Thor und deren Familie.
Freya war die Anführerin der Vanen, sie wurde daher Vana-dis genannt.
Später zogen dann die Wikinger aus dem Osten in ihre Gegend und brachten ihre Götter, die Asen, mit. Die Legende sagt, dass Odin all sein Wissen von Freya erwarb.
Alle Magie stammt von ihr, sie ist die Göttin des Lebens und des Todes und hat unzählig viele andere Aspekte, so dass sie durch die Gelehrten nicht wirklich fassbar ist.
(Quelle: Barbara G. Walker, Das Geheime Wissen der Frauen)
Ein paar zusätzliche Infos, die das Bild schon plastischer werden lassen, findet Ihr bei Wikipedia.
Mir gefällt besonders das häufige Bild, nach dem Freya ihren Wagen von Katzen habe ziehen lassen - ihre Katzen müssen sie wirklich gemocht haben, sonst hätten sie das nie freiwillig getan. Ich versuche meine beiden immer noch davon zu überzeugen, mir den Kaffee ans Bett zu bringen, aber leider... Das mit dem Göttinsein klappt eben nicht immer.
Die der Freya geschuldete Ehrerbietung soll lt. Wikipedia auf uns übergegangen sein, denn nach ihr würden vornehme Weiber Frauen (freyjur)genannt. Liebe SprachwissenschaftlerInnen, stimmt das?
Sehr irritierend fand ich allerdings die auf Wikipedia veröffentlichten Bilder. Sie zeigen eine ziemlich verweichlichte Göttin, die offensichtlich völlig auf ihren Aspekt der Liebesgöttin reduziert wird. Mein Bild ist das der selbstbestimmten Göttin, die all ihre Möglichkeiten lebt und frei wählt. Frei wie Freya eben.
Die Schneekönigin
- eigentlich keine Göttinnengeschichte, aber irgendwie doch?
Wohl die meisten von uns kennen das Märchen von Hans-Christian Andersen von der Schneekönigin, die den kleinen Kay einfängt und zu sich nach Lappland holt. Schwierige Wege muss die kleine Gerda zurücklegen, um ihn wiederzufinden und nachhause zu holen. Nur Gerdas Liebe führt dazu, dass sein Herz schmilzt und ihm der Splitter aus dem Auge gespült wird, so dass er schlussendlich das Eisspiel des Verstandes gewinnt und auf einmal vermag, das langgesuchte Lösungswort „Ewigkeit“ mit den Spielsteinen zu schreiben, die ihm die Schneekönigin gab. Die Schneekönigin hatte gesagt: "Kannst du diese Figur ausfindig machen, dann sollst du dein eigener Herr sein, und ich schenke dir die ganze Welt und ein Paar neue Schlittschuhe."
Obwohl es ein sogenanntes „Kunstmärchen“ ist und damit wohl kein Vorbild in der Volkserzählung hat, gibt es interessante Aspekte für die Göttinnenforschung finde ich...
Spannend an der Geschichte ist zum Beispiel, dass es lauter Paare gibt, die sich ergänzen:
Der kleine Kay und die kleine Gerda – er ist ein „echter“ Junge, ab dem Zeitpunkt, zu dem ihn der Eissplitter ins Herz trifft. Hier lautet das Spiel: Mädchen sind doof, Jungs intelligent. Kay ist garstig, um sich als echter Kerl zu zeigen, er sitzt dafür einsam im kalten Eispalast und vergisst sein ehemals warmes Herz. Gerda dagegen ist lieb zu allen Wesen, die sie trifft; diese helfen ihr dafür weiter. Naja, das hört sich jetzt nach den üblichen Klischees über Männer und Frauen an, oder?
Dabei bleibt es aber nicht: Gerdas Reise lässt sie viele bisher unbekannte Seiten an sich entdecken. Sie wird erst einmal von einer lieben alten Frau eingefangen und verliert - wie Kay bei der Schneekönigin - ihr Gedächtnis. Erst als sie entdeckt, dass die Rose in ihrem Leben fehlt, findet sie ihr Gedächtnis wieder. Wofür steht die Rose? Von altersher eben nicht nur für Reinheit, sondern vor allem für die Göttin Venus und damit auch für Sexualität.
Sodann muss Gerda eine Nacht mit dem Räubermädchen verbringen und fürchtet sich sehr, weil das Räubermädchen nicht nur ziemlich schmutzig ist, sondern ihr auch noch dauernd mit einem langen Messer vor der Nase herumfuchtelt und kühne Sprüche klopft. Nicht sehr göttinnenhaft? Irrtum. Denkt mal an Baubo. Dass Erdgöttinnen, die im Schlamm herummantschen, dabei immer perlweiße Gewänder tragen, hab ich noch nie geglaubt. Was ist der Lohn für die Auseinandersetzung mit den Schatten? Am nächsten Morgen, als Gerda ihre Mutprobe bestanden hat, hilft ihr das Räubermädchen weiter und trickst für sie sogar die eigene Mutter aus.
Die wilde Krähe und ihre gezähmte Geliebte, die am Königshof lebt, arbeiten zusammen, um Gerda zu helfen. Gerda versteht es also nicht nur, in der Natur zu überleben, sondern sie kommt auch in der komplizierten höfischen Gesellschaft klar.
Sogar zur eigentlich ja einzigartigen Schneekönigin gibt es auf den zweiten Blick in der Geschichte Antipoden – zunächst natürlich die alte Großmutter von Kay. Diese ist aber machtlos gegenüber der Schneekönigin - oder lässt sie nur zu, dass die Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen, um erwachsen zu werden?
Hilfreich ist dagegen die junge schöne Prinzessin, bei der Gerda im Laufe der Geschichte landet. Diese Prinzessin hat sich – wie die Schneekönigin Kay – einen klugen Mann erwählt. Gut gefällt mir die Stellenbeschreibung von Andersen: "sie wollte einen Mann haben, der zu antworten verstehe, wenn man mit ihm spräche; einen, der nicht bloß dastände und vornehm aussähe, denn das sei zu langweilig". Die Prinzessin wählt unter all den Bewerbern den aus, der nicht gekommen war zum Freien, sondern nur, um der Prinzessin Klugheit zu hören; und die fand er gut, und sie fand ihn wieder gut". Anders als Kay bei seiner Schneekönigin hat dieser Mann sein Herz bei der Hochzeit also behalten und er fürchtet sich nicht vor seiner Frau. Ihre Gleichberechtigung zeigt sich daran, dass sie nebeneinander in gleich schönen, aber unterschiedlich farbigen Betten schlafen; die Prinzessin im weißen Bett, der Prinz im roten. Jeder darf also auch nach der Hochzeit so unterschiedlich bleiben wie er ist.
Interessant an der Farbwahl finde ich, dass wir ja wissen, dass die junge Göttin in weiß geht, die reife fruchtbare Göttin dagegen ein rotes Kleid trägt und dass beide Facetten der großen dreifachen Göttin sind. Während Kay zunächst also seinen Verstand als einzige Geliebte erkürt und daran fast erfriert, integrieren Prinz und Prinzessin ihre Seiten und werden so gemeinsam erwachsen und glücklich. Vielleicht ist die schwarze wilde Krähe (die in der Geschichte später dann auch noch stirbt), das Überbleibsel der dritten Göttin, der schwarzen weisen Alten. Möglicherweise ist aber auch die Schneekönigin, die Kay prüft und gar nicht lieb ist, eigentlich – trotz ihrer weißen Farbe – diejenige, welche die Rolle der weisen Alten übernimmt.
Schließlich kann Kay das Rätsel der Schneekönigin lösen, nachdem er entdeckt hat, dass er Gerda liebt und dass sie zusammengehören. „Ewigkeit“ winkt demjenigen, der alle seine Seiten integriert hat. "Kannst du diese Figur ausfindig machen, dann sollst du dein eigener Herr sein, und ich schenke dir die ganze Welt und ein Paar neue Schlittschuhe." Das ist doch das Paradies, oder?
Ariadne
(von Gabriele Lohr, Auszug aus einem Buchprojekt, Bilder der Autorin unter www.venusspiegel.de)
Ihre Geschichte ist die aller Frauen und ihrer Einweihung in die Geheimnisse der Weiblichkeit.
Das Labyrinth, der uralte, heilige Raum ist der Tempel, dessen Wächterin sie ist.
Bist du bereit dich auf deinen Weg zu machen?
Dann entrolle den roten Faden bis du deiner Macht begegnest.
Im Innersten des Labyrinthes.
Am Nabel der Welt.
Denn du bist längst schon da und weißt es nicht.
Dein Schoß ist das Zentrum der Macht und der Nabel der Welt!
In deinem Schoß entsteht die Welt, in deinem Blut vergeht die Welt.
Lebenskraft und Schöpfungsmacht.
Für mich ist der rote Faden dieser Geschichte gleichbedeutend
mit dem Blut der Frauen.
Das Blut initiiert mich in das Wissen der Frauen, in das Erleben des Zyklischen, in die Geheimnisse meines Körpers.
Es lädt mich ein, der Spur der Ahninnen zu folgen und den Weg der Töchter zu bereiten.
Wenn ich mich auf die Suche nach dem roten Faden in meinem Leben mache, bin ich aufgefordert, mir selbst zu begegnen, mit meiner Geschichte und derer von allen Frauen.
Es ist Aufforderung, mich meiner Kraft zu besinnen, die zyklisch ist.
Mythologie
Ariadne ist die Tochter der Pasiphae und des Minos, Königin und König von Kreta.
Im matriarchalen Kreta ist die Königstochter die Hüterin des Labyrinthes, des heiligen Ortes der Initiation.
Hierher werden alle 9 Jahre 7 Jünglinge und 7 Jungfrauen aus Athen geführt – im späteren patriarchalen Mythos wird dies als Sühneopfer für den Kampfestod eines der Brüder der Ariadne erklärt.
Im Inneren des Labyrinthes wartet Minotaurus, Bruder der Ariadne - Frucht der Liebe von Pasiphae und dem weißen Stier des Meeresgottes Poseidon, ist er halb Stier, halb Mann.
Theseus, Königssohn aus Athen, der schon in seiner Jugend Heldentaten von großer Kraft vollbringt, begleitet die Initianten nach Kreta.
Bei seiner Ankunft verliebt Ariadne sich in Theseus und auf das Versprechen der gemeinsamen Hochzeit hin, übergibt Ariadne ihm den roten Faden, der es ihm ermöglicht, wieder aus dem Labyrinth herauszufinden.
Im Inneren stellt sich Theseus dem Minotaurus und erschlägt ihn.
Ariadne reist mit ihm bis Naxos, an die äußerste Grenze ihres Reiches, dort bleibt sie zurück.
Hier wird sie von Dionysos zur Königin der Wasser und Meereshüterin gekrönt.
Theseus, der nun die Königswürde erlangt hat, segelt nach Athen zurück und bringt den Kranichtanz, ein Fruchtbarkeitsritual der Kreter mit in seine Heimat.
Wenn ich der Spur des Fadens etymologisch folge, komme ich zu seinen Bedeutungswurzeln Umarmung und Schoß!
Somit ist die Kraft, die den Königssohn leitet die Umarmung der Liebe und die Lust des weiblichen Schoßes.
Der Mythos spricht deshalb für mich von der Einweihung in das Geheimnis der Liebe, die uns zu Königin und König macht…
Ceridwen und die Spirale
(von Isabella Eisen, Ceridwens Ritualkreis)
Ich atme ein – ich atme aus – ich atme ein – ich atme aus... Ich denke nicht darüber nach – für gewöhnlich. Es ist ein automatisierter Vorgang. Ich nehme mir vor nicht mehr einzuatmen... nein, das geht nicht – ich höre eine Stimme, ganz tief in mir drinnen. Sie flüstert: „Atme!“ Während ich ein- und ausatme sterben viele kleine Zellen in meinem großen Organismus, doch gleichzeitig entstehen wieder neue Zellen. So „sterbe ich täglich und werde täglich geboren“ – geboren - aus dem Sterben.
Eine Spirale scheint endlich zu sein, dort wo sie ansetzt und in der Mitte wo sie endet. Wenn ich sie aber mit dem Finger nachfahre, vom Rand in großen Bögen bis zur Mitte (Einatmen), so ist die nächste konsequente Bewegung, die in die entgegengesetzte Richtung zurück (Ausatmen) – hin und zurück (Atmen). Eine unendliche Bewegung des Auf und Ab.
Die drei Aspekte der Göttin Ceridwen sind die Jugend, die Reife und das Alter, zugleich aber auch die Zukunft, die Gegenwart und die Vergangenheit. Wie aber sind diese sechs Begriffe einander zu zuordnen? Die Gegenwart ist NICHT gleich die Reife – für manch einen liegt die Reifephase bereits in der Vergangenheit oder eben noch in der Zukunft. Nur die Spirale des Atem macht dieses Bild verständlich: So ist die Jugend das Einatmen der Zukunft, das Alter das Ausatmen der Vergangenheit, die Reife das Ein- und Ausatmen der Gegenwart.

Grafik von Isabella Eisen
So wie Ceridwens Spirale des Seins ist auch unsere Welt ein Bildnis erschaffen aus Polaritäten, die doch eine Einheit bilden und voneinander abhängen – ich kann nur einatmen wenn ich ausatme. Ebenso kann ich nicht nur gut gelaunt sein. Ceridwen repräsentiert alle Eigenschaften, die ein Mensch in sich trägt und das ist der Grund für ihre Nahbarkeit. Sie ist nicht zu vergleichen mir den Göttern des Olymp, von denen die meisten nur ein Gesicht haben und eine Zuständigkeit. Aber sie ist auch nicht eine Göttin, die keine anderen Götter neben sich duldet. Sie ist wie „viele Familienmitglieder in einer Person“ – man kann sich seiner Schwester anvertrauen, weil man mit seiner Mutter nicht darüber reden möchte – es ist aber dennoch die selbe Vertraute.
Ceridwen - in ihren drei Aspekten - ist die alte Starrsinnige, aber auch die mütterliche Achtsame und auch die junge Sorglose. Wenn ich sie um Hilfe bitte, dann kommt sie in der Gestalt derer zu mir, die mir am besten helfen kann. Jeder kann sich mit seinen Sorgen an Ceridwen wenden und sie bitten, unter ihrem großen Kessel ein Feuer zu entfachen.
Ceridwen erfüllt mir meine Bitte und ich werfe all meine Last und all meinen Schmerz in die mit Kräutern versetzte Flüssigkeit. Mit kräftigen Bewegungen rühre ich das Gebräu – rühre in Spiralbewegungen – auf und ab – auf und ab. Der Dampf des Kummers steigt hoch hinauf in die Luft – verlässt meine Seele, zurück bleibt ein Brei der Erfahrungen auf dem Grund des Kessels. Er ist genießbar geworden und meine Seele nimmt ihn dankbar in sich auf. Ich bin sorglos. Ich bin achtsam. Bin manchmal starrsinnig. Ceridwen lächelt mir zu.
Inanna
"Die Reise von Göttin Inanna" erzählt von Chameli Ardagh
http://www.youtube.com/watch?v=CrEYSxF_Uqo&feature=youtube_gdata_player
